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Einleitung

Der Delfin – Mörderische Panik

Schrifteinstellung

An einem sonnigen Morgen in schon warmen, späten Apriltagen schlüpfte ein Entenküken aus seinem Ei. Sie wusste noch nicht, dass sie Tapsi heißen würde, denn Enten geben ihren Kindern erst nach dem Schlüpfen ihren Namen.

Auf die Frage, welche Art von Vögeln sie gesehen hatte, antwortete sie: „Ich weiß es nicht. Sie sahen aus wie Delfine oder wie sehr elegante Fragezeichen.“ Seitdem ist sie als „Der Delfin“ bekannt. Im Nebenberuf ist sie Kriminalistin, lebt mit ihrem massigen Neufundländer mitten in München und bearbeitet subtile Kriminalfälle mit subtilen Mitteln. Einen Hauptberuf hat sie nicht mehr. Sie muss nicht arbeiten und hätte annähernd das Alter einer Pensionierung. Sie liebt die Herausforderung. Wo andere anhand von Referenzsystemen Kausalitäten herstellen, folgt sie ihrer Intuition und bearbeitet Fälle, die nicht in das Raster der üblichen kriminalistischen Ermittlungen passen. Panik ist ein inflationär verwendeter Begriff. Die Ursachen des Kontrollverlustes, der zu instinktiven Handlungen führt, die eigentlich dem Schutz des Lebens dienen sollen, indem eine schnelle Reizleitung von schnellen Maßnahmen gefolgt ist, können völlig verschieden sein. Von der individuellen, Panik auslösenden Phobie, bis zur Massenpanik, die so gemeingefährlich ist, weil Herdentrieb und individueller Überlebenswille eine notwendige Ordnung unmöglich machen.

Der Delfin hat es in diesem ersten Fall mit einem Täter zu tun, der die Panik der anderen ausnutzt, um Schaden anzurichten. Sonnt er sich, wie ein Brandstifter in seinem Werk? Er? DER Täter? Der Delfin ist eine Frau, Feministin und Gegnerin von Vorurteilen, bei deren Entstehung sie selbst bei sich immer wieder die Zügel anziehen muss, um sich nicht der hölzernen Trivialität, die das Leben nur scheinbar vereinfacht doch tatsächlich der starre Startblock in ein menschenverhinderndes Leben ist, hinzugeben.

Verarbeitet der Täter/*/in/die Täterschaft/ die ausübenden Person/en hier eigene Traumata? Welche Gemeinsamkeiten haben die Taten in ihrem Wesen und in ihrer Ausführung?

Es gibt viel zu überdenken und zu besprechen für den Delfin. Sie überdenkt alles und bespricht viel. Nicht immer zielgerichtet und doch immer, im allerweitesten Sinne, themenorientiert. Die Fragmente von Ideen, Meinungen und Hintergründen ergeben ein Bild, in dem jeder Bildpunkt seinen Platz finden muss. Das unterscheidet den Delfin von anderen Ermittlungskräften. Sie verwendet keinen Rahmen, in den die Puzzleteile hineingeschüttet und organisiert werden. Es ist eher wie bei einem endlos großen Nagelbild, bei dem in keiner Weise festgelegt ist, dass die den Fall erklärende Struktur sich in der Bildmitte, direkt vor der geneigten Vorstellungswelt der ermittelnden Person, ergibt. Der Delfin bewegt sich zu den Veränderungen im Relief der Nägel, die ständig in Bewegung sind und es keinesfalls sicher ist, dass die lautesten Erhebungen auch den größten Eindruck hinterlassen.